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Vom Abwasser bis zur IT — Eigenbetriebe als potenziell wichtige oder besonders wichtige Einrichtungen nach dem BSIG
Hinsichtlich öffentlicher Stellen der Länder verhält sich das Gesetz über das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik und über die Sicherheit in der Informationstechnik von Einrichtungen (BSI-Gesetz - BSIG) sehr zurückhaltend. Nicht zuletzt aufgrund der Verteilung der Gesetzgebungskompetenzen zwischen Bund und Ländern finden sich zwar insbesondere in § 29 und Teil 3 Kapitel 3 BSIG Regelungen betreffend die Bundesverwaltung. Entsprechende Regelungen in Bezug auf Verwaltungen der Länder fehlen indes, sodass man auf die Idee kommen könnte, dass insbesondere Einrichtungen außerhalb der Bundes- und Landesverwaltung nicht vom BSIG adressiert werden.
Doch dieser Eindruck kann bisweilen trügen, wie das Beispiel des Eigenbetriebs zeigt.
Der Eigenbetrieb – das unbekannte Wesen
Der Eigenbetrieb ist eine wirtschaftliche Betätigungsform auf Landes- und Kommunalebene (es gibt aber auch Eigenbetriebe auf Bundesebene, die sog. Bundesbetriebe). Beispiele hierfür sind die Münchener Stadtentwässerung, das Klinikum Südstadt Rostock oder aber der Eigenbetrieb IT-Dienstleistungen der Stadt Dresden.
In Berlin werden Eigenbetriebe insbesondere durch das Gesetz über die Eigenbetriebe des Landes Berlin (Eigenbetriebsgesetz - EigG) geregelt. Dort heißt es in § 1 Abs. 1 und 2:
„(1) Das Land Berlin (Träger) kann bestimmte öffentliche Aufgaben der Berliner Verwaltung nach diesem Gesetz in der Rechtsform des nicht rechtsfähigen Betriebs (Eigenbetrieb) selbständig und mit eigenen Organen (Geschäftsleitung, Verwaltungsrat) wahrnehmen lassen, wenn die öffentlichen Aufgaben die Errichtung des Eigenbetriebs rechtfertigen und anders nicht besser und wirtschaftlicher erfüllt werden können.
(2) Der Eigenbetrieb erfüllt die vom Träger vorgegebenen Aufgaben nach kaufmännischen Grundsätzen kostengünstig, benutzer- und umweltfreundlich. Er beachtet gemeinwirtschaftliche und sozial-, umwelt- und strukturpolitische Gesichtspunkte.“
Kurz ausgedrückt handelt es sich bei einem Eigenbetrieb also um ein kommunales Unternehmen, das nach wirtschaftlichen Grundsätzen tätig wird.
Wie der vorstehende § 1 Abs. 1 EigG zeigt, können die Eigenbetriebe ebenfalls über eigene Organe, nämlich die Geschäftsleitung oder den Verwaltungsrat, verfügen.
Eigenbetriebe und das BSIG
Wenn Eigenbetriebe auch über eine Geschäftsleitung verfügen, dann müssten für sie in der Folge auch z. B. die Vorschriften zur „Umsetzungs-, Überwachungs- und Schulungspflicht für Geschäftsleitungen besonders wichtiger Einrichtungen und wichtiger Einrichtungen“ aus § 38 BSIG gelten. So heißt es gemäß § 38 Abs. 3 Hs. 1 BSIG, dass die Geschäftsleitungen besonders wichtiger Einrichtungen und wichtiger Einrichtungen regelmäßig an Schulungen teilnehmen müssen. Demnach könnte man schlussfolgern, dass Eigenbetriebe auch die Umsetzungs-, Überwachungs- und Schulungspflichten für Geschäftsleitungen treffen, wenn es sich bei dem jeweiligen Eigenbetrieb um eine besonders wichtige oder wichtige Einrichtung i. S. v. § 28 Abs. 1 oder Abs. 2 BSIG handelt.
Ob ein Eigenbetrieb oder sonstige außerhalb der Bundes- und Landesverwaltung agierende öffentliche Betätigungen überhaupt als besonders wichtige oder wichtige Einrichtung in Betracht kommen, sagt das BSIG nicht explizit, auch wenn der Wortlaut von § 28 Abs. 1 Nr. 4 und Abs. 2 Nr. 3 BSIG ohne Einschränkung „sonstige natürliche oder juristische Personen oder rechtlich unselbstständige Organisationseinheiten einer Gebietskörperschaft“ erwähnt. Letzteres könnte also dafür sprechen, dass insbesondere auch Eigenbetriebe eine besonders wichtige oder wichtige Einrichtung i. S. d. BSIG darstellen könnten.
Deutlicher ist insoweit dagegen die Gesetzesbegründung zum BSIG, wo es auf S. 144 zur Reichweite von § 28 BSIG heißt: „Durch die Einbeziehung von rechtlich unselbstständigen Organisationseinheiten einer Gebietskörperschaft wird sichergestellt, dass Eigenbetriebe und Landesbetriebe, die entsprechende Dienste gemäß der Einrichtungsdefinitionen erbringen, adäquat adressiert werden können, auch wenn diese keine juristische oder natürliche Person sind“. Das heißt, Eigenbetriebe und ähnliche Organisationsformen können nach dem Willen der Gesetzesbegründung im Fall der Erfüllung der in § 28 Abs. 1 Nr. 4 oder Abs. 2 Nr. 3 BSIG definierten Schwellenwerte besonders wichtige oder wichtige Einrichtungen darstellen. Das bedeutet wiederum, dass Eigenbetriebe nicht nur die Pflichten zur Geschäftsleitungsschulung aus § 38 Abs. 3 BSIG, sondern – wie jede andere besonders wichtige oder wichtige Einrichtung – auch alle anderen relevanten Verpflichtungen aus dem BSIG einhalten muss. Zentral zu denken wäre dabei an die Risikomanagementmaßnahmen gemäß § 30 BSIG.
Fazit und Empfehlung
Eigenbetriebe, aber auch andere öffentlich-rechtliche Betriebsformen, sollten sich daher trotz der fehlenden ausdrücklichen Erwähnung im BSIG sicherheitshalber damit auseinandersetzen, ob sie die Schwellenwerte nach § 28 Abs. 1 Nr. 4 oder Abs. 2 Nr. 3 BSIG erfüllen sowie, ob sie in einen der vom BSIG in Anlage 1 oder 2 BSIG regulierten Sektoren fallen und daher die Vorgaben des Gesetzes zu beachten haben.
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Zuständigkeitswirrwarr: Übersicht zur Zuständigkeit für die Überwachung des Barrierefreiheitsstärkungsgesetzes (BFSG) bis zur Gründung der bundesweit zuständigen Marktüberwachungsbehörde
Seit dem 28. Juni 2025 gelten die Vorgaben des Barrierefreiheitsstärkungsgesetzes (BFSG). Ursprünglich war geplant, dass eine bundesweit zuständige Behörde die Überwachung des BFSG übernehmen soll. Die sogenannte Marktüberwachungsstelle der Länder für die Barrierefreiheit von Produkten und Dienstleistungen (MLBF) mit Sitz in Sachsen-Anhalt befindet sich aber noch „in Errichtung“. Auf dem Internetangebot des Landes Sachsen-Anhalt finden sich zur MLBF derzeit lediglich ein Postfach, eine E-Mail-Adresse und eine Telefonnummer (hier abrufbar). Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, welche Behörden bis zur Errichtung der MLBF für die Überwachung des BFSG zuständig sind.
DSGVO-Bußgeldverfahren: Mehr Klarheit durch Musterrichtlinien der DSK
Am 16. Juni 2025 hat die Datenschutzkonferenz (DSK) ihre Musterrichtlinien für das Verfahren zur Verhängung von Geldbußen vorgestellt.
Die Landesdatenschutzbehörden planen nun, diese Richtlinien als Verwaltungsvorschriften zu erlassen. Damit werden sich die Aufsichtsbehörden selbst verpflichten, die Vorgaben in zukünftigen Bußgeldverfahren einzuhalten.
Erste Schritte zur Umsetzung der Barrierefreiheit auf Websites
In etwa einem Monat gelten die Anforderungen des Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) für viele Websites. Ab dem 29. Juni 2025 müssen die meisten Websites (und übrigens auch Apps) nicht nur barrierefrei sein, sondern auch eine Erklärung zur Barrierefreiheit enthalten.
In diesem Beitrag möchten wir Ihnen aufzeigen, welche Schritte Sie jetzt ergreifen können, um die Anforderungen des BFSG kurzfristig umzusetzen.
Datenschutzrechtliche Verantwortlichkeit von Behörden bei zentraler Bereitstellung von IT-Fachverfahren
Um Behörden die Bestimmung der datenschutzrechtlichen Verantwortlichkeit beim Einsatz von IT-Fachverfahren zu erleichtern, hat Philip Schweers in der aktuellen Ausgabe 05/2025 des Datenschutzberaters einen Beitrag veröffentlicht.
Den Beitrag können Sie hier kostenlos auf unserer Website als PDF abrufen.
Im Artikel beschreibt Herr Schweers ausführlich, wann aus Sicht des Europäischen Datenschutzausschusses und des Europäischen Gerichtshofs eine gemeinsame Verantwortlichkeit bei Beteiligung mehrerer öffentlicher Stellen in Betracht kommt. Auch für Datenschützer im Unternehmen kann der Beitrag interessant sein, da sich die Ausführungen im Grunde auch auf die Bereitstellung zentraler IT-Anwendungen im Konzern übertragen lassen.
Weiterer Fachaufsatz zum Training von KI-Modellen aus datenschutzrechtlicher Sicht
In der aktuellen Ausgabe 02/2025 (EuDIR 2025, 90) der Zeitschrift für Europäisches Daten- und Informationsrecht (EuDIR) wurde ein Beitrag von Dr. Carlo Piltz und Alexander Weiss mit dem Titel „Datenschutzrechtliche Rechtsgrundlagen für das Training von KI-Modellen“ veröffentlicht.
In dem Aufsatz wird aufgezeigt, welche datenschutzrechtlichen Erlaubnistatbestände aus der DSGVO in bestimmten Fallkonstellationen herangezogenen werden können, wenn KI-Modelle mit personenbezogenen Daten trainiert werden. Zudem werden auch Fragestellungen zur Zweckänderung (Art. 6 Abs. 4 DSGVO) und zur Verarbeitung besonderer Kategorien personenbezogener Daten (Art. 9 DSGVO) erörtert.
Das Inhaltsverzeichnis der Zeitschrift können Sie hier als PDF aufrufen.
Zweitverwendung personenbezogener Daten in der Forschung: EDSB-Studie zeigt dringenden Handlungsbedarf
Ob Biobank, klinische Studie oder KI-gestützte Gesundheitsforschung: Die Wiederverwendung bereits erhobener personenbezogener Daten für neue wissenschaftliche Fragestellungen – die sogenannte Zweitverarbeitung, Zweitverwendung oder Zweitnutzung – ist aus der modernen Forschung nicht mehr wegzudenken. Sie verspricht Effizienz, Erkenntnisgewinn und gesellschaftlichen Mehrwert. Doch das datenschutzrechtliche Fundament für solche Projekte ist häufig eher unsicher.