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Umsetzung von Risikomanagementmaßnahmen im Zusammenhang mit der NIS-2-Richtlinie und Rückgriff auf Maßnahmen nach Art. 32 DSGVO
Die Umsetzung der Risikomanagementmaßnahmen nach der NIS-2-Richtlinie und dem BSIG als Umsetzungsgesetz scheint für viele betroffene Organisationen im ersten Moment herausfordernd. Dies liegt häufig daran, dass die eher abstrakt wirkenden Vorgaben wie z.B. „Sicherheitsmaßnahmen bei Erwerb, Entwicklung und Wartung von informationstechnischen Systemen, Komponenten und Prozessen, einschließlich Management und Offenlegung von Schwachstellen“ Organisationen abschrecken, da nicht auf Anhieb erkennbar ist, was konkret zu tun ist.
Allerdings kann bei der Umsetzung oftmals auf bereits bestehende Konzepte zurückgegriffen werden. Viele Organisationen haben beispielsweise technische und organisatorische Maßnahmen (TOM) nach Art. 32 DSGVO oder IT-Sicherheitsmaßnahmen in Bezug auf Unternehmensdaten und IT-Strukturen bereits umgesetzt, um ihre Pflichten nach der DSGVO und anderen Gesetzen zu erfüllen. Auch wenn die NIS-2-Richtlinie und die DSGVO unterschiedliche Schutzzwecke verfolgen, kann in der Praxis zu einem gewissen Grad auf die bereits nach Art. 32 DSGVO implementierten Vorkehrungen aufgebaut werden. NIS-2 und das BSIG verlangen also gerade nicht, dass Organisationen alles „neu“ erstellen und aufbauen. Vielmehr sollten Synergien genutzt werden, um den Umsetzungsaufwand zu reduzieren.
Dies betrifft z.B. die Verschlüsselung und Kryptographie. Nach § 30 Abs. 2 Nr. 8 BSIG müssen besonders wichtige und wichtige Einrichtungen Konzepte und Prozesse für den Einsatz von kryptographischen Verfahren haben. Die Verschlüsselung ist auch nach Art. 32 Abs. 1 lit. a Alt. 2 DSGVO zu berücksichtigen, indem personenbezogene Daten z.B. bei der Speicherung und der Übermittlung angemessen zu verschlüsseln sind, um das Gewährleistungsziel der Vertraulichkeit zu erfüllen. Dabei sind z.B. die technischen Richtlinien des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zu berücksichtigen, die ebenso für § 30 Abs. 2 Nr. 8 BSIG gelten. Denn auch diese Vorschrift bezweckt den Schutz von sensiblen Daten vor unbefugtem Zugriff.
Auch bei der Anforderung, nach § 30 Abs. 2 Nr. 3 BSIG den Betrieb durch Maßnahmen aufrechtzuerhalten, wie Backup-Management und die Wiederherstellung nach einem Notfall und Krisenmanagement, gibt es Ähnlichkeiten zu Maßnahmen nach der DSGVO. Zum einen ist nach Art. 32 Abs. 1 lit. b Var. 3 DSGVO die Verfügbarkeit und Belastbarkeit der Systeme und Dienste im Zusammenhang mit der Verarbeitung auf Dauer sicherzustellen. Damit ist vor allem die Resilienz der zur Verarbeitung personenbezogener verwendeten Systeme gemeint. Zum anderen nennt Art. 32 Abs. 1 lit. c DSGVO die Fähigkeit, die Verfügbarkeit der personenbezogenen Daten und den Zugang zu ihnen bei einem physischen oder technischen Zwischenfall rasch wiederherzustellen. Insgesamt lässt sich auch hier auf bereits vorhandene Konzepte aufbauen, die schon im Rahmen von Art. 32 DSGVO umzusetzen sind: Für die Verfügbarkeit personenbezogener Daten ist eine kontinuierliche Sicherung im Rahmen eines Informationssicherheits-Managementsystems (ISMS) sowie ein Notfallplan erforderlich. Auch hierzu gibt es Empfehlungen des BSI.
Zwar enthält § 30 Abs. 2 BSIG auch Vorgaben, die sich in der DSGVO nicht wiederfinden. Dazu gehören etwa Maßnahmen zur Sicherheit der Lieferkette (§ 30 Abs. 2 Nr. 4 BSIG). Allerdings ist auch die Umsetzung dieser Vorgabe handhabbar. Die Gesetzesbegründung zum BSIG weist hierfür u.a. auf den Abschluss vertraglicher Vereinbarungen mit Zulieferern und Dienstleistern im Hinblick auf Risikomanagementmaßnahmen hin und empfiehlt zudem die Durchführung von External Attack Surface (EAS) Scans. Ein weiteres Beispiel sind grundlegende Schulungen und Sensibilisierungsmaßnahmen zur IT-Sicherheit (§ 30 Abs. 2 Nr. 7 BSIG). Diese unterscheiden sich zwar inhaltlich von Schulungen zur DSGVO (nach Art. 39 Abs. 1 lit. b DSGVO soll der Datenschutzbeauftragte Mitarbeiter schulen). Allerdings kann auch hier auf bestehende unternehmerische Prozesse für die Umsetzung aufgesetzt werden.
Fazit
Viele Organisationen schrecken derzeit vor der Umsetzung der Vorgaben aus der NIS-2-Richtlinie und dem BSIG zurück, ohne konkret geprüft zu haben, ob sie ggf. mit bestehenden TOM aus der DSGVO schon einige Anforderungen erfüllen – und wie groß der Umsetzungsaufwand überhaupt wäre. Unsere Beispiele zeigen, dass nicht alle Risikomanagementmaßnahmen neu gedacht werden müssen, sondern dass einiges schon aufgrund der Erfüllung von Art. 32 DSGVO vorhanden sein wird oder zumindest in Ansätzen vorliegt. Ein Rückgriff auf die nach Art. 32 getroffenen TOM allein reicht zwar nicht aus, da die Maßnahmen des BSIG deutlich umfangreicher sind. Die TOM nach der DSGVO können jedoch als Grundstein für die weiteren Maßnahmen genutzt werden. Vor dem Hintergrund, dass die in § 30 Abs. 2 BSIG genannten zehn Mindestmaßnahmen zum Risikomanagement bereits seit dem 6. Dezember 2025 gelten, sollte die Umsetzung schnellstmöglich sichergestellt werden, um die Compliance im Hinblick auf das Thema NIS-2 ausreichend umzusetzen. Wie die Maßnahmen im Einzelnen erfüllt werden können und wo sich auf bereits getroffene Maßnahmen nach der DSGVO oder anderen Gesetzen aufbauen lässt, haben wir bereits evaluiert. Bei Interesse melden Sie sich bitte gern bei uns unter info@piltz.legal.
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Tracking und Auswertung von Leistungsdaten im Profisport
Die Datenerfassung im Leistungssport hat sich zu einem unverzichtbaren Instrument für moderne Sportorganisationen entwickelt. Vereine, Verbände und Unternehmen nutzen umfangreiche Datenanalysen zur Leistungsoptimierung und strategischen Entscheidungsfindung. Hierbei werden im Allgemeinen Leistungsdaten, aber mitunter auch sensible Gesundheitsdaten verarbeitet. Verantwortliche müssen die Anforderungen der DSGVO beachten und Rechtsgrundlagen für die Datennutzung nachweisen können. Dieser Beitrag beleuchtet, vor welchen rechtlichen Herausforderungen Vereine bei der Auswertung von Leistungs- und Gesundheitsdaten von Sportlern stehen und auf welche Rechtsgrundlagen sie diese Verarbeitung stützen können.
Der Beitrag von Dr. Carlo Piltz und Ilia Kukin aus dem DSB 10/2025 ist hier abrufbar.
Neue Entwicklungen im UN-Kaufrecht
Die zentrale Stellung des UN-Kaufrechts/CISG als juristische Basis für Export- und Importverträge wird heute nicht mehr infrage gestellt. Praktiker berichten von einer deutlichen Tendenz in den Unternehmen, ihre Außenhandelsgeschäfte gezielt auf das UN-Kaufrecht umzustellen. Ein Ausschluss des UN-Kaufrechts erklärt sich heute überwiegend mit mangelnder Vertrautheit mit seinen Inhalten und fehlender Neigung, diesem Zustand abzuhelfen, lässt sich angesichts der weitreichenden Dispositivität seiner Bestimmungen jedoch kaum mit nicht akzeptablen Lösungen des UN-Kaufrechts belegen. In Fortführung des Gliederungsschemas der vorangegangenen Berichtsaufsätze (zuletzt NJW 2023, 2542) wird die Liste der Vertragsstaaten aktualisiert und neben Hinweisen auf aktuelle Arbeitsmittel insbesondere die seit dem letzten Berichtsaufsatz bekannt gewordene in- und ausländische Rechtsprechung zum UN-Kaufrecht/CISG aufgearbeitet.
EuGH-Urteil zum Personenbezug und Informationspflichten – pseudonymisierte Daten können für den Empfänger auch anonym sein
Das EuGH-Urteil in der Rechtssache EDSB vs. SRB (Rs. C‑413/23 P) und dessen Folgen für die Rechtsanwendung werden derzeit zu Recht kontrovers diskutiert. In dem Urteil geht es zwar um Bestimmungen aus der Verordnung 2018/1725, die für die Verarbeitung personenbezogener Daten durch die Organe, Einrichtungen und sonstigen Stellen der Union gilt. Der EuGH hat aber ausdrücklich entschieden, dass der Begriff „personenbezogene Daten“ in dieser Verordnung und der DSGVO und der nicht mehr gültigen Richtlinie 95/46 EG identisch auszulegen ist (Rn. 52). Das Urteil ist für Unternehmen und mitgliedstaatliche Behörden gleichermaßen bedeutsam.
Rechtswidrigkeit von (Gebühren) Bescheiden wegen DSGVO-Verstoß - Dürfen öffentliche Stellen ihre Verfahren automatisieren?
Automatisierte Entscheidungen unterliegen gem. Art. 22 DSGVO besonderen gesetzlichen Anforderungen, welche auch im Bereich der öffentlichen Verwaltung gelten. Zentrale Voraussetzung für die Zulässigkeit solcher Entscheidungen ist das Vorliegen einer entsprechenden Rechtsgrundlage. Fehlt diese, ist der Bescheid rechtswidrig. Wie die Verwaltungsgerichte damit umgehen, zeigt eine aktuelle Entscheidung des VG Bremen (Urt. v. 14.07.2025, 2 K 763/23).
Dürfen Datenschutzbehörden die Namen der sanktionierten Unternehmen veröffentlichen?
Sowohl die BfDI als auch die Landesdatenschutzbehörden informieren regelmäßig in Pressemitteilungen über aktuelle Bußgeldverfahren. Mitunter werden dabei auch die betroffenen Unternehmen namentlich genannt. Doch ist dieses Vorgehen überhaupt rechtlich zulässig und welche Grenzen haben die Behörden dabei einzuhalten? In anderen Rechtsgebieten existiert zu diesen Fragen durch umfangreiche Rechtsprechung - allerdings bislang nicht speziell im Bereich des Datenschutzrechts.
Geschäftsgeheimnisse und Auskunftsansprüche nach Art. 15 DSGVO: Spannungsfeld und Praxisfragen
Unternehmen sehen sich häufig mit Auskunftsanfragen betroffener Personen konfrontiert, deren Beantwortung auch Geschäftsgeheimnisse betreffen kann. Dies gilt etwa in Fällen, in denen Unternehmen Informationen zu algorithmischen Entscheidungsprozessen gem. Art. 15 Abs. 1 lit. h DSGVO offenlegen müssen. Aber auch klassische Geschäftsgeheimnisse wie interne Dokumentationen, etwa Kundenlisten oder Produktspezifikationen, können von der Auskunftspflicht nach Art. 15 Abs. 3 DSGVO betroffen sein.