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NIS-2: Pflicht zur Benennung eines Vertreters für Einrichtungen im Drittland
Im Anwendungsbereich der NIS-2-Richtlinie (NIS-2-RL) kann es zu Situationen kommen, in denen Anbieter bestimmter NIS-2-relevanter Dienste, wie etwa ein Managed Service Provider, seinen Sitz ausschließlich in einem Drittland hat, jedoch Dienste innerhalb der EU anbietet. Der territoriale Anwendungsbereich ist nach Art. 2 Abs. 1 NIS-2-RL eröffnet, sobald ein Unternehmen einen Dienst in der EU erbringt oder dort Tätigkeiten ausübt. Art. 26 NIS-2-RL konkretisiert diesen Anwendungsbereich dahingehend, dass grundsätzlich der Mitgliedstaat und damit dessen jeweiliges Umsetzungsgesetz für eine Einrichtung anwendbar ist, in dem die Einrichtung niedergelassen ist. Hierzu haben wir bereits einen Beitrag verfasst.
Hat die Einrichtung jedoch keine Niederlassung in der EU, gilt nach Art. 26 Abs. 3 NIS-2-RL eine Sonderregelung, die wir bereits aus der DSGVO kennen: bestimmte Einrichtungen müssen einen Vertreter benennen, wenn sie in der EU-Dienste anbieten. Dies betrifft die folgenden in Art. 26 Abs. 1 lit. b NIS-2-RL genannten Einrichtungen:
- DNS-Diensteanbieter;
- TLD-Namenregister;
- Einrichtungen, die Domänennamen-Registrierungsdienste erbringen;
- Anbieter von Cloud-Computing-Diensten;
- Anbieter von Rechenzentrumsdiensten;
- Betreiber von Inhaltszustellnetzen;
- Anbieter von verwalteten Diensten;
- Anbieter von verwalteten Sicherheitsdiensten;
- Anbieter von Online-Marktplätzen;
- Anbieter von Online-Suchmaschinen;
- Plattformen für Dienste sozialer Netzwerke.
Ein praktisches Beispiel wäre etwa ein Unternehmen welches z.B. den Betrieb der gesamten Arbeitsplatz IT anbietet (z.B. Softwareverteilung, Remote-Support und Fehlerbehebung) und damit als Managed Service Provider einzuordnen ist. Wenn dieses Unternehmen z.B. in Indien sitzt, seine Dienste für Unternehmen in der EU anbietet, dort jedoch keine Niederlassungen betreibt, greift die Vorgabe des Art. 26 Abs. 3 NIS-2-RL. Benennt eine der genannten und ausschließlich in einem Drittland niedergelassene Einrichtung keinen Vertreter, kann jeder Mitgliedstaat, in dem die Einrichtung Dienste erbringt, gegenüber die Einrichtung tätig werden. Dies ist für das betroffene Drittlandunternehmen vor allem deshalb nachteilig, da die NIS-2-RL nach Art. 5 NIS-2-RL nur eine Mindestharmonisierung vorschreibt und die einzelnen Mitgliedstaaten strengere Regelungen zur Gewährleistung eines höheren Cybersicherheitsniveaus festlegen können. Ohne die Benennung eines Vertreters müssten die oben genannten Einrichtungen dann sämtliche Umsetzungsrechtsakte der Mitgliedstaaten befolgen, in denen sie ihre Dienste erbringen. Insofern hat die Wahl des Vertreters den Vorteil, dass sich die Einrichtung das anwendbare mitgliedstaatliche Recht aussuchen kann, wenn sie ihre Dienste in mehreren Mitgliedstaaten erbringt. Eine bußgeldbewährte Pflicht zur Benennung eines Vertreters enthält indes weder die NIS-2-RL noch das BSIG. Letzteres sanktioniert in § 65 Abs. 2 Nr. 8 BSIG nur einen Verstoß gegen § 34 Abs. 2 BSIG, wenn das BSI nicht richtig, vollständig oder rechtzeitig über Änderungen im Zusammenhang mit einem benannten (!) Vertreter unterrichtet wird.
Nach Art. 6 Nr. 34 NIS-2-RL kann der Vertreter eine in der EU niedergelassene natürliche oder juristische Person sein. Weitere Anforderungen, wie z.B. besondere Kenntnisse, gibt es nicht. Der Vertreter muss durch die Einrichtung lediglich ausdrücklich benannt werden und ist der zuständigen Behörde, z.B. nach § 34 Abs. 1 Nr. 3 und 4 BSIG im Rahmen der Registrierungspflicht für bestimmte Einrichtungsarten mit seinen Kontaktdaten zu melden. Aufgabe des Vertreters ist hauptsächlich die Funktion als Ansprechpartner für Behörden oder CSIRTs. Zudem ergibt sich aus ErwGr. 116 Satz 6 der NIS-2-RL, dass der Vertreter auch Sicherheitsvorfälle zu melden hat.
Im Hinblick auf die Haftung folgt aus Art. 26 Abs. 4 NIS-2-RL, dass die Einrichtung sich durch die Benennung eines Vertreters nicht von ihrer Haftung befreien kann. Denn der Vertreter tritt zusätzlich zu ihr auf. Dementsprechend kann der Vertreter auch nicht für Pflichtverletzungen der Einrichtung haften.
Fazit und Empfehlung
Die Figur des Vertreters wird nur dann relevant, wenn eine der oben genannten Einrichtungen keine Niederlassungen in der EU betreibt, dort jedoch ihre Dienste anbietet. Aufgrund der genannten Vorteile ist den oben genannten Einrichtungen die Benennung eines Vertreters zu empfehlen. Da die Figur des Vertreters, wenn auch mit teilweise unterschiedlichen Vorgaben, auch in anderen europäischen Digitalgesetzen, wie z.B. der DSGVO, der KI-VO oder den DSA, genannt wird, ist es grds. möglich, auch einen Vertreter für mehrere Digitalrechtsakte zu benennen.
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Tracking und Auswertung von Leistungsdaten im Profisport
Die Datenerfassung im Leistungssport hat sich zu einem unverzichtbaren Instrument für moderne Sportorganisationen entwickelt. Vereine, Verbände und Unternehmen nutzen umfangreiche Datenanalysen zur Leistungsoptimierung und strategischen Entscheidungsfindung. Hierbei werden im Allgemeinen Leistungsdaten, aber mitunter auch sensible Gesundheitsdaten verarbeitet. Verantwortliche müssen die Anforderungen der DSGVO beachten und Rechtsgrundlagen für die Datennutzung nachweisen können. Dieser Beitrag beleuchtet, vor welchen rechtlichen Herausforderungen Vereine bei der Auswertung von Leistungs- und Gesundheitsdaten von Sportlern stehen und auf welche Rechtsgrundlagen sie diese Verarbeitung stützen können.
Der Beitrag von Dr. Carlo Piltz und Ilia Kukin aus dem DSB 10/2025 ist hier abrufbar.
Neue Entwicklungen im UN-Kaufrecht
Die zentrale Stellung des UN-Kaufrechts/CISG als juristische Basis für Export- und Importverträge wird heute nicht mehr infrage gestellt. Praktiker berichten von einer deutlichen Tendenz in den Unternehmen, ihre Außenhandelsgeschäfte gezielt auf das UN-Kaufrecht umzustellen. Ein Ausschluss des UN-Kaufrechts erklärt sich heute überwiegend mit mangelnder Vertrautheit mit seinen Inhalten und fehlender Neigung, diesem Zustand abzuhelfen, lässt sich angesichts der weitreichenden Dispositivität seiner Bestimmungen jedoch kaum mit nicht akzeptablen Lösungen des UN-Kaufrechts belegen. In Fortführung des Gliederungsschemas der vorangegangenen Berichtsaufsätze (zuletzt NJW 2023, 2542) wird die Liste der Vertragsstaaten aktualisiert und neben Hinweisen auf aktuelle Arbeitsmittel insbesondere die seit dem letzten Berichtsaufsatz bekannt gewordene in- und ausländische Rechtsprechung zum UN-Kaufrecht/CISG aufgearbeitet.
EuGH-Urteil zum Personenbezug und Informationspflichten – pseudonymisierte Daten können für den Empfänger auch anonym sein
Das EuGH-Urteil in der Rechtssache EDSB vs. SRB (Rs. C‑413/23 P) und dessen Folgen für die Rechtsanwendung werden derzeit zu Recht kontrovers diskutiert. In dem Urteil geht es zwar um Bestimmungen aus der Verordnung 2018/1725, die für die Verarbeitung personenbezogener Daten durch die Organe, Einrichtungen und sonstigen Stellen der Union gilt. Der EuGH hat aber ausdrücklich entschieden, dass der Begriff „personenbezogene Daten“ in dieser Verordnung und der DSGVO und der nicht mehr gültigen Richtlinie 95/46 EG identisch auszulegen ist (Rn. 52). Das Urteil ist für Unternehmen und mitgliedstaatliche Behörden gleichermaßen bedeutsam.
Rechtswidrigkeit von (Gebühren) Bescheiden wegen DSGVO-Verstoß - Dürfen öffentliche Stellen ihre Verfahren automatisieren?
Automatisierte Entscheidungen unterliegen gem. Art. 22 DSGVO besonderen gesetzlichen Anforderungen, welche auch im Bereich der öffentlichen Verwaltung gelten. Zentrale Voraussetzung für die Zulässigkeit solcher Entscheidungen ist das Vorliegen einer entsprechenden Rechtsgrundlage. Fehlt diese, ist der Bescheid rechtswidrig. Wie die Verwaltungsgerichte damit umgehen, zeigt eine aktuelle Entscheidung des VG Bremen (Urt. v. 14.07.2025, 2 K 763/23).
Dürfen Datenschutzbehörden die Namen der sanktionierten Unternehmen veröffentlichen?
Sowohl die BfDI als auch die Landesdatenschutzbehörden informieren regelmäßig in Pressemitteilungen über aktuelle Bußgeldverfahren. Mitunter werden dabei auch die betroffenen Unternehmen namentlich genannt. Doch ist dieses Vorgehen überhaupt rechtlich zulässig und welche Grenzen haben die Behörden dabei einzuhalten? In anderen Rechtsgebieten existiert zu diesen Fragen durch umfangreiche Rechtsprechung - allerdings bislang nicht speziell im Bereich des Datenschutzrechts.
Geschäftsgeheimnisse und Auskunftsansprüche nach Art. 15 DSGVO: Spannungsfeld und Praxisfragen
Unternehmen sehen sich häufig mit Auskunftsanfragen betroffener Personen konfrontiert, deren Beantwortung auch Geschäftsgeheimnisse betreffen kann. Dies gilt etwa in Fällen, in denen Unternehmen Informationen zu algorithmischen Entscheidungsprozessen gem. Art. 15 Abs. 1 lit. h DSGVO offenlegen müssen. Aber auch klassische Geschäftsgeheimnisse wie interne Dokumentationen, etwa Kundenlisten oder Produktspezifikationen, können von der Auskunftspflicht nach Art. 15 Abs. 3 DSGVO betroffen sein.